{"id":1620,"date":"2018-07-26T12:06:19","date_gmt":"2018-07-26T12:06:19","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.jm-gailingen.de\/?p=1620"},"modified":"2018-07-26T13:43:07","modified_gmt":"2018-07-26T13:43:07","slug":"die-geschichte-der-gailinger-juden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/?p=1620","title":{"rendered":"Die Geschichte der Gailinger Juden"},"content":{"rendered":"<p><div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><h3>Die Geschichte der Gailinger Juden<\/h3>\n<p><strong>um 1653\/1654<br \/>\n<\/strong>richteten Isaac Neuburg und Jacob Daniel (Ullmann) sowie Daniel, Alexander, Jacob und Abraham Dreyfu\u00df an die Freifrauen von Reinach aus Randegg die Bitte, sich in dem Dorf Gailingen, das damals zur Herrschaft Randegg geh\u00f6rte, auf etliche Jahre \u201ehausheblich\u201c niederlassen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Woher diese Juden kamen, bleibt im Dunkeln. Es k\u00f6nnten Kriegsfl\u00fcchtlinge des 30-j\u00e4hrigen Krieges gewesen sein, die sich schutzsuchend vor\u00fcbergehend im Rheintal bzw. in der Nordschweiz aufhielten und sich nach dem Westf\u00e4lischen Frieden von 1648 erneut eine Bleibe suchen mussten.<\/p>\n<p>Der Name Isaac Neuburg wirft allerdings die Frage auf, ob er identisch ist mit einem Juden gleichen Namens, der um 1649 am Eschnerberg in der reichsfreien Herrschaft Vaduz-Schellenberg belegt ist. Dort bestand von 1637 bis zu ihrer gewaltsamen Aufl\u00f6sung in 1651 eine Judengemeinde mit einem Rabbiner und rd. 20 Haushalten.<\/p>\n<p><strong>18. September 1657<\/strong><br \/>\nCarl Friedrich Graf zu Hohenems gab in seiner Eigenschaft als Landvogt und Pfandinhaber der Landgrafschaft Nellenburg sein Einverst\u00e4ndnis zur Aufnahme der o.a. Juden, worauf die Freifrauen von Reinach aus Randegg unter dem<\/p>\n<p><strong> 20. September 1657<\/strong><br \/>\nerstmals f\u00fcr die bereits seit gut drei Jahren in Gailingen lebenden Juden einen Schutzbrief f\u00fcr 18 Jahre ausstellten, der sie zwei Schutzherren, n\u00e4mlich der Reinachschen Herrschaft als niederer Obrigkeit und zugleich dem Erzherzog von \u00d6sterreich als hoher Obrigkeit untertan machte.<\/p>\n<p>Aufgrund der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse konnte sich die j\u00fcdische Siedlung im 17.\/18. Jahrhundert relativ ungest\u00f6rt entwickeln.<\/p>\n<p><strong>1722<br \/>\n<\/strong>registrierte man bereits 18 j\u00fcdische Haushalte und durch den Zuzug von Juden aus St\u00fchlingen zu Beginn der<\/p>\n<p><strong>1740er Jahre<br \/>\n<\/strong>wuchs die j\u00fcdische Gemeinde dann auf 28 Familien an. In St\u00fchlingen wurden die Juden ausgeschafft, nachdem F\u00fcrst Joseph Wilhelm Ernst zu F\u00fcrstenberg den Schutzbrief nicht mehr erneuern wollte.<\/p>\n<p><strong>1766<br \/>\n<\/strong>wurde in Gailingen eine erste Synagoge gebaut.<\/p>\n<p><strong>1806<br \/>\n<\/strong>kam Gailingen zum Gro\u00dfherzogtum Baden und mit dem Konstitutionsedikt von \u2026<\/p>\n<p><strong>1809<br \/>\n<\/strong>mit dem 9. Konstitutionsedikt (\u201eBadisches Judenedikt\u201c) begann im Gro\u00dfherzogtum Baden f\u00fcr die Juden die Emanzipation.<\/p>\n<p><strong>1811<br \/>\n<\/strong>begannen der Rabbiner Veit Chan und der Lehrer Moses Halle in gro\u00dfherzoglichem Auftrag Personendaten der in Gailingen lebenden Juden im Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung von erblichen Familiennamen f\u00fcr Juden und der F\u00fchrung von Standesb\u00fcchern f\u00fcr die j\u00fcdischen Gemeinden zu erfassen.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df dem erstellten \u201eGailinger Geburtenverzeichnis in alphabetischer Ordnung 1739 \u2013 1881\u201c gab es damals in Gailingen 130 j\u00fcdische Haushalte mit folgenden Namen: Bernheim, Bloch, Baach, Biedermann, Biccart, Brandenburg, Detelbach, Erlanger, Guggenheim, Gut, Harburger,Hayman, Hanhard, Hasgal, Halle, Jung, Kaufmann, Klein, Kurz, Lang, Lauber Levinger, Levinthal, Marx, Metzger, Moser, Mahrum, Neuburger, Oettinger, Ottenheimer, Redlich, Ries, Rosenthal, Rothschild, Spiro, Schneidinger, Schatz, Sachs, Ullmann, Wolf und Weil.<\/p>\n<p><strong>1827<br \/>\n<\/strong>zu dem neu eingerichteten Bezirksrabbinat Gailingen geh\u00f6rten die j\u00fcdischen Gemeinden von Randegg, Wangen, Worblingen, Tiengen und Donaueschingen.<\/p>\n<p><strong>seit etwa 1830<br \/>\n<\/strong>betrug der j\u00fcdische Bev\u00f6lkerungsanteil in Gailingen zeitweilig erheblich \u00fcber 50%.<\/p>\n<p><strong> 9. September 1836<br \/>\n<\/strong>wurde die neue Synagoge durch Rabbiner Jakob L\u00f6wenstein eingeweiht, sie bot 520 M\u00e4nnern im Chorraum und bis zu 240 Frauen auf der Empore Platz.<\/p>\n<p><strong>1845-1847<br \/>\n<\/strong>errichtete die j\u00fcdische Gemeinde Gailingen ein eigenes Schulhaus mit Wohnungen f\u00fcr den Rabbiner und den Lehrer im Obergeschoss und einer Mikwe (Ritualbad) im Keller.<\/p>\n<p><strong>1858<br \/>\n<\/strong>erreichte die Zahl der am Ort lebenden Juden mit 996 gegen\u00fcber 982 Christen seinen H\u00f6chststand.<\/p>\n<p><strong>1862<br \/>\n<\/strong>Mit dem Gesetz \u00fcber die b\u00fcrgerliche Gleichstellung der Israeliten im Gro\u00dfherzogtum Baden waren die Juden in allen Belangen den Christen gleichgestellt. Damit begann die Abwanderung der Juden aus den Landgemeinden in die St\u00e4dte.<\/p>\n<p><strong>1870-1884<br \/>\n<\/strong>hatte die Gemeinde mit Hirsch Leopold Guggenheim f\u00fcr mehr als zwei Amtszeiten einen j\u00fcdischen B\u00fcrgermeister.<\/p>\n<p><strong>im August 1892<br \/>\n<\/strong>wurde in Gailingen das Israelitische Krankenhaus, in dem auch christliche Mitb\u00fcrger behandelt wurden, wird feierlich eingeweiht.<\/p>\n<p><strong>im Oktober 1898<br \/>\n<\/strong>wurde das Asyl f\u00fcr israelitische Sieche und arme Greise (\u201eFriedrichsheim\u201c) er\u00f6ffnet. Das Haus wurde streng rituell gef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>1925<br \/>\n<\/strong>wurde der Sitz des Bezirksrabbinats nach Konstanz verlegt. Auch in der Weimarer Zeit war Gailingen die gr\u00f6\u00dfte j\u00fcdische Landgemeinde S\u00fcddeutschlands.<\/p>\n<p><strong>1933<br \/>\n<\/strong>lag der j\u00fcdische Bev\u00f6lkerungsanteil von Gailingen mit 314 Personen noch bei 20 %.<\/p>\n<p><strong> 10. November 1938<br \/>\n<\/strong>anl\u00e4sslich der Reichspogromnacht wurde die Synagoge von Gailingen teilweise in Brand gesetzt, schwer demoliert und sp\u00e4ter Stein f\u00fcr Stein abgetragen.<\/p>\n<p><strong> 22. Oktober 1940<br \/>\n<\/strong>die badischen und die saar-pf\u00e4lzischen Juden wurden in das Lager Gurs (S\u00fcdfrankreich) deportiert. Damit endet auf schreckliche Weise die fast 300-j\u00e4hrige j\u00fcdische Geschichte Gailingens.<\/p>\n<p><strong>Ab M\u00e4rz\/April 1942<br \/>\n<\/strong>wurde als Ergebnis der Wannseekonferenz vom 20. Januar 1942 die gro\u00dfe Mehrheit dieser Deportierten \u00fcber das Transit-KZ Drancy bei Paris nach Auschwitz, Sobibor und Majdanek verbracht und dort ermordet.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-2 hundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-padding-top:0px;--awb-padding-right:0px;--awb-padding-bottom:0px;--awb-padding-left:0px;--awb-margin-top:15px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-image-element fusion-image-align-center in-legacy-container\" style=\"text-align:center;--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><div class=\"imageframe-align-center\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"1944\" height=\"2896\" title=\"Guggenheim-110731-Gail50\" src=\"http:\/\/wp.jm-gailingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Guggenheim-110731-Gail50-e1532609779142.jpg\" alt class=\"img-responsive wp-image-1622\" srcset=\"https:\/\/jm-gailingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Guggenheim-110731-Gail50-e1532609779142-200x298.jpg 200w, https:\/\/jm-gailingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Guggenheim-110731-Gail50-e1532609779142-400x596.jpg 400w, https:\/\/jm-gailingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Guggenheim-110731-Gail50-e1532609779142-600x894.jpg 600w, https:\/\/jm-gailingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Guggenheim-110731-Gail50-e1532609779142-800x1192.jpg 800w, https:\/\/jm-gailingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Guggenheim-110731-Gail50-e1532609779142-1200x1788.jpg 1200w, https:\/\/jm-gailingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Guggenheim-110731-Gail50-e1532609779142.jpg 1944w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 1944px\" \/><\/span><\/div><\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Excepteur sint occaecat cupidatat non proident, sunt in culpa qui officia deserunt mollit anim.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-1620","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-juedischer-hegau"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1620","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1620"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1620\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1623,"href":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1620\/revisions\/1623"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1620"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1620"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jm-gailingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1620"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}